Einen Stammbaum in Deutschland beginnen: Wo Sie die Urkunden finden
24. September 2026 · 4 Min. Lesezeit · Das Memory Palace Team
In einer Schublade bei Ihren Eltern liegt ein Familienstammbuch mit abgegriffenem Einband. Darin die Hochzeit Ihrer Großeltern, 1951, ein Standesamt in Westfalen, und die Namen ihrer Eltern. Ohne es zu wissen, halten Sie damit den Anfang eines Stammbaums in der Hand. Dieser Artikel zeigt, wo Sie danach weitersuchen, und was davon in Deutschland frei zugänglich ist.
Die kurze Antwort
Beginnen Sie mit dem, was Sie zu Hause haben, und mit den Älteren, die noch erzählen können. Ältere Personenstandsregister liegen in den Archiven: Geburtsregister nach 110 Jahren, Eheregister nach 80 und Sterberegister nach 30 Jahren. Jüngere Urkunden beantragen Sie beim Standesamt, als Nachkomme in gerader Linie. Vor der Zeit der Standesämter führen die Kirchenbücher weiter, evangelische vor allem über Archion, katholische teilweise frei über Matricula.
Schritt 1: zu Hause anfangen
Die besten Quellen liegen oft im Haus: das Familienstammbuch, ein Ahnenpass aus den 1930er-Jahren, Briefe, Totenzettel, Fotos mit einer Notiz auf der Rückseite. Fragen Sie auch die Älteren. Notieren Sie zu jeder Person, was Sie sicher wissen, und woher. Ein Stammbaum ohne Quellen lässt sich später nicht mehr prüfen.
Schritt 2: das Standesamt und das Archiv
Standesämter gibt es in Preußen seit dem 1. Oktober 1874 und im ganzen Deutschen Reich seit dem 1. Januar 1876. Links des Rheins, unter französischem Recht, wurden Personenstandsregister schon seit 1798 geführt.
| Register | Beim Standesamt, danach im Archiv |
|---|---|
| Geburtsregister | 110 Jahre |
| Eheregister und Lebenspartnerschaftsregister | 80 Jahre |
| Sterberegister | 30 Jahre |
So steht es in § 5 des Personenstandsgesetzes. Nach Ablauf dieser Fristen gehen die Register an die öffentlichen Archive, meist an das Stadt- oder Kreisarchiv, und es gilt das Archivrecht. Jüngere Urkunden beantragen Sie beim Standesamt des Ortes, an dem der Eintrag gemacht wurde. Nach § 62 dürfen das die Personen selbst, ihre Ehegatten und Lebenspartner sowie Vorfahren und Abkömmlinge. Andere brauchen ein rechtliches Interesse.
Schritt 3: vor dem Standesamt, die Kirchenbücher
Vor der Zeit der Standesämter notierten die Pfarrer Taufen, Trauungen und Beerdigungen in den Kirchenbüchern. Wie weit sie zurückreichen, ist von Ort zu Ort verschieden: In Westfalen beginnen die meisten erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, die ältesten reichen dort bis 1563 zurück.
- Archion ist das Portal für evangelische Kirchenbücher, mit mehr als 200.000 Büchern aus über 25 Archiven. Es ist kostenpflichtig, mit Pässen für einen, drei oder zwölf Monate, die sich nicht automatisch verlängern.
- Matricula zeigt katholische Kirchenbücher frei im Netz. Viele Bistümer sind dort, aber nicht alle deutschen.
Kostenlose Hilfe: CompGen
Der Verein für Computergenealogie, CompGen, stellt seine Datenbanken frei zur Verfügung: das GenWiki mit Hinweisen zu Orten und Quellen, GEDBAS mit mehr als 20 Millionen Personen aus eingereichten Stammbäumen, rund 950 Online-Ortsfamilienbücher, digitalisierte Adressbücher und die Verlustlisten des Ersten Weltkriegs. Für Anfänger ist das oft der beste Ausgangspunkt.
Weitere Quellen
- Auswanderung: Die Hamburger Passagierlisten von 1850 bis 1934 (ohne 1915 bis 1919) sind über Ancestry zugänglich, das kostenpflichtig ist.
- Soldaten des Zweiten Weltkriegs: Die frühere Deutsche Dienststelle (WASt) gehört seit 2019 zum Bundesarchiv. Anfragen stellen Sie über die Seite des Bundesarchivs.
- Adressbücher zeigen, wo und als was jemand in einem Jahr wohnte. Viele sind digitalisiert, unter anderem bei CompGen.
Ein Programm für den Stammbaum
Gramps ist kostenlos und quelloffen. Legacy gibt es in einer kostenlosen Grundversion, allerdings auf Englisch. Ages! und Ahnenblatt 4 sind kostenpflichtig. Alle lesen und schreiben GEDCOM, das Austauschformat für Stammbäume. Haben Sie eine solche Datei bekommen oder erstellt, sehen Sie auf thememorypalace.ai/gedcom kostenlos und ohne Konto, wie viele Generationen sie umfasst, wer der älteste bekannte Vorfahre ist und wo die Lücken sind. Die Datei verlässt Ihr Gerät nicht.
Von Urkunden zu Menschen
Eine Urkunde sagt, wann jemand geheiratet hat, nicht, wie das Fest war. Das steht auf den Fotos, in den Geschichten, in den Briefen, die jemand aufbewahrt hat. In The Memory Palace kommt der Stammbaum als GEDCOM herein, und jede Generation bekommt einen Platz neben ihren Fotos und Geschichten, damit aus Namen wieder Menschen werden.
Häufige Fragen
Wo finde ich alte Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden?
Nach Ablauf der Fortführungsfristen gehen die Personenstandsregister an die öffentlichen Archive, meist an das Stadt- oder Kreisarchiv. Jüngere Einträge führt das Standesamt des Ortes, an dem die Urkunde ausgestellt wurde.
Wann gehen Personenstandsregister ins Archiv?
Nach § 5 des Personenstandsgesetzes werden Geburtsregister 110 Jahre, Ehe- und Lebenspartnerschaftsregister 80 Jahre und Sterberegister 30 Jahre fortgeführt. Danach werden sie nach § 7 an die öffentlichen Archive abgegeben, und es gilt das Archivrecht.
Wer darf eine neuere Urkunde beim Standesamt beantragen?
Nach § 62 des Personenstandsgesetzes die Personen, auf die sich der Eintrag bezieht, ihre Ehegatten und Lebenspartner sowie Vorfahren und Abkömmlinge. Andere Personen müssen ein rechtliches Interesse glaubhaft machen.
Wo finde ich Kirchenbücher online?
Evangelische Kirchenbücher stehen zum großen Teil auf Archion, mit mehr als 200.000 Büchern aus über 25 Archiven. Archion ist kostenpflichtig. Katholische Kirchenbücher stellen viele Bistümer frei auf Matricula, aber nicht alle deutschen Bistümer sind dort vertreten.
Welches Programm eignet sich für den Anfang?
Gramps ist kostenlos und quelloffen. Legacy ist in der Grundversion kostenlos, aber englischsprachig. Ages! und Ahnenblatt 4 sind kostenpflichtig. Alle lesen und schreiben GEDCOM, das Austauschformat für Stammbäume.
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